Tango Argentino: Workshop-Wochenende 04.-06.10.2024 in Waldmünchen
9 (NEUN !!!) Stunden tanzen an einem Tag? Am Samstag haben tatsächlich alle 19 Paare diese Zeit getanzt und es ganz sicher auch genossen, einmal Zeit zu haben, sich intensiv mit dem Tango Argentino auseinanderzusetzen.
So ein Mammutprogramm funktioniert natürlich nur bei passenden Rahmenbedingungen. Die gab es mit einer wie immer wunderbaren Versorgung in der Jugendbildungsstätte, geeigneten Trainingsräumen, dem Flair des alten Schlosses, und - klar – einer tollen Gruppe an Teilnehmern!
Um die bis ins Detail geplante Organisation hatte sich Otto Schwandner gekümmert. Das Training für diejenigen, die einmal reinschnuppern oder ihre bereits erworbenen ersten Kenntnisse vertiefen wollten, hatten Karin und Holger Brandt vorbereitet. Renate und Wolfgang Rühling zeichneten für das Programm der Fortgeschrittenen verantwortlich.
Wie gesagt, 9 Stunden an einem Tag, dazu kamen der Freitagabend und der Sonntagvormittag. Das war ganz sicher ein harter Brocken an Vorbereitung. Die Milonga am Samstagabend bot den schönen Rahmen für das DANKE der Gruppe an diese Fantastischen Fünf. Jürgen Zingsem hatte sich darüber hinaus um die Musikauswahl verdient gemacht.
Was haben wir eigentlich so lange geübt?
Für alle Paare gemeinsam hatten die Trainer das Aufwärmen sowie Basics-Übungen vorbereitet. Schwerpunkt war die Balance mit dem Ziel der stabilen Poisition durch das Beibehalten der Achse über dem Standbein und dem eindeutigen Verlagern des Gewichts. Immerhin tanzt man ja zu zweit, da ist diese nonverbale Form der Kommunikation ziemlich wichtig für Lernerfolg und bleibendem Spaß an der Sache.
Nach diesen gemeinsamen Einheiten standen bei den Einsteigern zunächst die Caminatas, das sind Gehschritte im Paar, im Vordergrund – die Basis für alles, was danach kommt. Mit der Baldosa, einer kleinen Schrittfolge, den Rückwärtsochos der Dame und der normalen und gelaufenen Linksdrehung sowie der Rechtsdrehung waren die Teilnehmer dann bereits fit für – ihre z. T. erste Milonga - am Samstagabend. Spannend ist so eine Tanzveranstaltung allerdings für alle, denn hier tanzt jeder mit jedem – und einen Korb zu geben gilt nicht 😊.
Die Fortgeschrittenen durften sich mit weiteren Übungen zur Balance auseinandersetzen, z. B. mit dem sehr lustigen Flamingoschritt. Das Gleichgewicht zu behalten war da manchmal eine recht wacklige Angelegenheit – wer steht denn schon so lange auf einem Bein? Aber es half. Wir bekamen immer mehr Gespür für unsere Balance.
Die Balance war extrem wichtig für den zweiten Teil des Programms – das langsame Tanzen. Um den Tango Argentino schön und harmonisch zu vertanzen, braucht es nicht das häufig zu hektische Abspulen von Schrittfolgen, sondern die Möglichkeiten, Schritte und Figuren auszukosten und sich die Zeit zu nehmen für das Achten auf den Ausdruck der Musik oder auch ganz einfach einmal innezuhalten und dadurch die Spannung für den nächsten Schritt aufzubauen. Also übten wir uns in Entschleunigung und variierten die Zeiträume bis zum nächsten Schritt. Bei der Aufgabe, nur einen Schritt auf 2 Takte zu setzen (bei einem 4/4-Takt muss man also bis 8 zählen), war das schon eine Herausforderung und manchmal war der Takt auch schon bei 6 oder 7 vorbei… Eine wunderschöne Gelegenheit, Tempo und Hektik aus dem Tanz zu verbannen, sind die Verzierungen. Der uns schon bekannte Lapiz bekam plötzlich eine ganz neue Bedeutung und wir merkten, dass wir ihn an vielen Stellen einbauen und damit dem Tanz einen völlig neuen Ausdruck verleihen konnten.
Dritter Schwerpunkt war das Aufbrechen von Strukturen. Klingt ziemlich martialisch, war es aber gottseidank nicht. Zunächst durften wir auch hier einen Gang zurückschalten und uns nur auf den nächsten Schritt konzentrieren. Dann überlegten wir – in dem Fall ist das Job des Herrn -, welche Möglichkeiten es nach diesem Schritt gibt, weiterzutanzen. Das sind tatsächlich immer 4 Richtungen. Und je nachdem, welche Möglichlichkeit man wählt, ergeben sich wiederum viele Anschlussschritte. So führten uns die Trainer zu vielen neuen und kreativen Variationen des Tanzens. Eine Variante wurde von Teilnehmern sogar völlig neu erfunden 😊.
Das Feedback der Teilnehmer: Es war ein perfektes Tanzwochenende.
Bericht: Heike Witthus Fotos: Thomas Göllner, Kurt Dobler-Zuck